ERNST STEINKELLNER

Tibetologie, Indologie

Ernst Steinkellner (*3. Oktober 1937 in Graz) ist ein österreichischer Indologe und Tibetologe. Steinkellner promovierte 1963 in Indologie an der Universität Wien und habilitierte sich 1967. Ab 1971 war er als Gastdozent an der University of Pennsylvania tätig und wurde dort 1972 außerordentlicher Professor für Indische Philosophie. Nach seiner Berufung 1973 als o. Professor für Buddhismuskunde und Tibetologie an die Universität Wien gründete er das Institut für Tibetologie und Buddhismuskunde, das er bis 2000 leitete, und war bis zu seiner Emeritierung 2006 Mitglied des späteren Instituts für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde. Er war Gastprofessor an den Universitäten Kyoto 1982 und Oxford 1992. Von 1998-2006 war Steinkellner auch Direktor des Instituts für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 2004 erhielt er das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und 2006 die Indira Gandhi Gold Plaque der Asiatic Society, Kolkata. Im Jahr 2008 wurde Ernst Steinkellner mit dem Ludwig Wittgenstein-Preis der Österreichischen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet.

Die wissenschaftliche Erschließung der bis in das 5. Jh. n. zurückreichenden erkenntnistheoretisch-logischen Tradition des Buddhismus, insbesondere der Werke Dharmakīrti’s (um 600 n.) zählt zu Steinkellners größten Leistungen. Das Interesse an dieser philosophischen Tradition führte auch zu seiner Beschäftigung mit Tibet, wo die von ihm untersuchten Denkrichtungen bis in die Neuzeit lebendig geblieben sind. 

Steinkellners auch für die Zukunft dieser Fächer bedeutendster Beitrag ist die seit 2004 zwischen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und dem Chinesischen Tibetforschungsinstitut in Beijing bestehende Kooperation zur Erschließung der Sanskrithandschriften in Tibet. Diese ca. 4000 Manuskripte aus dem 8.-14. Jh. mit Texten aus der Blütezeit buddhistischer Philosophie sind nach der Vertreibung des Buddhismus aus Indien nicht mehr kopiert worden, haben aber in Tibet durch Pietät und Klima geschützt Jahrhunderte überstanden.