KARL SIGMUND

Mathematik

Karl Sigmund (* 26. Juli 1945 in Gars am Kamp) ist Professor für Mathematik an der Universität Wien und ein Pionier der evolutionären Spieltheorie. Sigmund war von 1983 bis 1985 Leiter des Instituts für Mathematik an der Universität Wien, von 1991 bis 2001 geschäftsführender Herausgeber der wissenschaftlichen Zeitschrift Monatshefte für Mathematik, Präsident (1997 bis 2001) der Österreichischen Mathematischen Gesellschaft, korrespondierendes Mitglied (1996) und wirkliches Mitglied (1999) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Mitglied der Leopoldina (2003). Im Jahr 1998 hielt er einen Plenarvortrag beim Internationalen Mathematikerkongress, und 2003 eine Gauß-Vorlesung der Deutschen Mathematikervereinigung. Im Jahr 2010 erhielt er die Ehrendoktorwürde (Doctor Philosophiae Honoris Causa) der Universität von Helsinki. Im Jahr 2011 erhielt er die Blaise Pascal Medaille für Mathematik, 2012 den Isaacs Award.

Nachdem er sich zunächst mit dynamischen Systemen und Ergodentheorie, also der statistischen Mechanik, befasste, kam er später zu mathematischen Fragen der Biologie (Ökologie, Populationsgenetik) und der chemischen Kinetik, teilweise in Zusammenarbeit mit Peter Schuster. Karl Sigmund entwickelte speziell die evolutionäre Spieltheorie weiter, die in den 1970er Jahren vor allem durch den Biologen John Maynard Smith vorangetrieben wurde. Sein mit Josef Hofbauer verfasstes Werk „Evolutionary Games and Population Dynamics“ wurde zum Standardwerk, und sein populärwissenschaftliches Buch „Games of Life“ erfuhr viele Neuauflagen. Teilweise in Zusammenarbeit mit Martin Nowak befasste sich Sigmund besonders mit der Evolution der Kooperation, was zu zahlreichen Veröffentlichungen in Nature und Science führte. 

Karl Sigmund widmete sich auch ausführlich der Geschichte der Mathematik und dem Wiener Kreis. Er war Mitherausgeber der Werke von Hans Hahn und Karl Menger und Kurator von Ausstellungen über die erzwungene Emigration österreichischer Mathematiker, über Kurt Gödel, und über den Wiener Kreis. 2016 war sein Werk „Sie nannten sich der Wiener Kreis“ Wissenschaftsbuch des Jahres in der Kategorie Naturwissenschaften. Sein Buch „The Waltz of Reason“ befasst sich mit der Wechselwirkung von Mathematik und Philosophie.