WOLFGANG LUTZ

Demographie

Wolfgang Lutz (* 10. Dezember 1956 in Rom) studierte Theologie, Mathematik und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Nach einem Masterabschluss 1980 in Sozial- und Wirtschaftsstatistik an der Universität Wien, schloss er an der University of Pennsylvania 1982 zunächst einen Master in Demographie, 1983 einen PhD in Demographie ab. 1988 habilitierte er sich für Demographie und Sozialstatistik an der Universität Wien.

Ab 1984 arbeitete er am IIASA (International Institute for Applied Systems Analysis) in Laxenburg bei Wien, wo er 1994 die Leitung des World Population Program übernahm, die er bis 2020 innehatte. 1995 bis 1998 übernahm er die Position als Forschungsdirektor am Österreichischen Institut für Familienforschung in Wien und wurde anschließend Generalsekretär der International Union for the Scientific Study Population (1998–2001). Von 2002 bis 2022 war er Direktor am Vienna Institute of Demography (VID) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und 2022-2024 Deputy Director General for Science am IIASA. 2008 wurde er als Professor für Sozialstatistik an die Wirtschaftsuniversität Wien gerufen; 2019 wechselte er zur Professur für Demografie an die Universität Wien.

Seit seinem Ruhestand 2024 ist Wolfgang Lutz Distinguished Emeritus Scholar und Sherpa for Asia am IIASA in Laxenburg/Österreich und weiterhin Direktor des 2010 von ihm gegründeten Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital (IIASA, ÖAW, Uni Wien).

Wolfgang Lutz war in den letzten 20 Jahren außerdem Mitglied zahlreicher Gremien, wie beispielsweise dem Kuratorium des Max-Planck-Institute for Demographic Research (2008) oder dem Board of Directors des Population Reference Bureau, Washington D.C. (USA; 2004-2010), sowie des African Population and Health Research Centre (APHRC) in Nairobi, innerhalb derer er sowohl Wissenschaft als auch Politik beriet. 2017-2019 war Wolfgang Lutz Mitglied der „Group of Independent Scientists“, die vom Generalsekretär der UN eingeladen wurde, den Global Sustainable Development Report 2019 zu erstellen. Wolfgang Lutz wirkte darüber hinaus als Special Adviser für die Vizepräsidentin für Demokratie und Demographie der Europäischen Kommission.

Er war Pionier der Anwendung multi-dimensionaler demographischer Methoden für die Rekonstruktion und Prognose von Bildungsstrukturen der Bevölkerung. Dies war die Basis für die Herausarbeitung des Zusammenhangs von Bildung und dem Wohlergehen einer Bevölkerung. Er zeigte den Einfluss von Bildung auf Bereiche wie Gesundheit, Wirtschaftswachstum, Geschlechtergerechtigkeit und Anpassung an Klimawandel. 

Wolfgang Lutz wurde mehrfach mit wissenschaftlichen Preisen geehrt, von denen hier der Wittgenstein-Preis (2010), der Mindel C. Sheps Award der Population Association of America (2016), der Wissenschaftspreis der Österreichischen Forschungsgemeinschaft (2023) und der IUSSP Laureate Award (2023) hervorgehoben werden sollen. 2024 wurde Wolfgang Lutz für seine Forschungen über die Rolle der Bildung als Motor für eine nachhaltige Entwicklung letztendlich mit dem Yidan Prize for Education Research – dem weltweit höchst angesehenen Bildungspreis – ausgezeichnet. Wolfgang Lutz ist seit 2012 wirkliches Mitglied der ÖAW und gehört auch fünf weiteren Akademien an, darunter die US-NAS und TWAS.