Hans-Werner Sinn (* 7. März 1948 in Brake bei Bielefeld) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und gilt als einer der einflussreichsten und forschungsstärksten Ökonomen im deutschsprachigen Raum. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Steuern, Umwelt, Wachstum, erschöpfbare Ressourcen, Risiko, Klima und Energie, Banken, Demographie, Sozialversicherung, Makroökonomik sowie Systemwettbewerb und -transformation.
Sinn studierte Volkswirtschaftslehre in Münster und Mannheim, wo er 1978 promovierte und sich 1983 habilitierte. Von 1984 bis 2016 lehrte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München, während der ersten zehn Jahre als Professor für Volkswirtschaftslehre und Versicherungswissenschaft, danach als Professor für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft. Er lehrte an der University of Western Ontario und war zudem Gastprofessor an renommierten Universitäten wie der London School of Economics, Stanford, Princeton, und Jerusalem sowie Honorarprofessor in Wien.
Von 1997 bis 2000 leitete er den Fachverband der deutschsprachigen Ökonomen, Verein für Sozialpolitik, und er war von 1999 bis 2016 Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung in München sowie Gründer und langjähriger Direktor des internationalen Forschernetzwerks CESifo. Von 2006 bis 2009 stand er dem Weltverband der Finanzwissenschaftler (IIPF) vor. Heute ist er Professor Emeritus an der LMU München, Leiter des ordnungspolitischen Ausschusses des Wirtschaftsbeirats Bayern und ständiger Gastprofessor an der Universität Luzern.
Zu Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn hat sich Sinn vor allem mit der ökonomischen Risikotheorie beschäftigt, wo es u.a. um Risikoentscheidungen unter dem Einfluss von Haftungsbeschränkungen ging. Danach erforschte er die Mechanismen des längerfristigen wirtschaftlichen Wachstums und des internationalen Systemwettbewerbs unter dem Einfluss alternativer Steuer- und Regulierungssysteme. Seine Forschung auf dem Gebiet der erschöpfbaren natürlichen Ressourcen und angebotsseitiger Strategien der Klimapolitik fand viel internationale Aufmerksamkeit. Ähnliches gilt für seine Analyse unvorhergesehener Umverteilungswirkungen einer mehr auf Rettungsaktionen als auf die Geldwertstabilität ausgerichteten Zentralbankpolitik. Zuletzt publizierte er zur Frage der Möglichkeit einer militärisch-politischen Integration Europas.
Sinn hat weit über hundert wissenschaftliche Artikel und eine große Zahl ökonomischer Fachbücher geschrieben, die häufig auch auf Englisch und in zahlreichen anderen Weltsprachen publiziert wurden.
Er wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse (2005) der Bundesrepublik Deutschland, dem Bayerischen Maximiliansorden (2008), dem Gustav-Stolper-Preis (2008), dem Ludwig-Erhard-Preis (2013) und dem Deutschen Staatsbürgerpreis (2025). Er erhielt Ehrendoktorate von den Universitäten Magdeburg, Helsinki, Prag, Leipzig und Luzern.
Sinn ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gremien, darunter der Leopoldina, der European Economic Association und des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium. In der RePEc-Rangliste belegte er während seiner Amtszeit mehrfach den ersten Platz der forschungsstärksten Ökonomen deutscher Institutionen. Die FAZ bezeichnete ihn als „Deutschlands einflussreichsten Ökonomen 2014“, da kein anderer Forscher vergleichbar stark in Wissenschaft, Medien und Politik wirkt.