WALTER POHL

Geschichte

Walter Pohl (* 27. Dezember 1953 in Wien) ist ein österreichischer Historiker. Er war von 2006 bis 2022 Professor für mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Wien. Pohl gehört zu den führenden Experten der sogenannten „Völkerwanderungszeit“.

Walter Pohl studierte Geschichte an der Universität Wien, 1984 folgte die Promotion bei Herwig Wolfram. 1989 habilitierte er sich für Geschichte des Mittelalters an der Universität Wien. Pohl hatte Gastprofessuren an der Udmurtischen Universität in Ischewsk (1991), an der University of California, Los Angeles (1993), der Central European University Budapest (1994/95) und an der Rijksuniversiteit Leiden (1996). Die Habilitation für Historische Hilfswissenschaften erfolgte 2001 an der Universität Wien.

Walter Pohl zählt zu den führenden Mediävisten weltweit. Seine Vielsprachigkeit ermöglicht es ihm, seine innovativen Forschungsergebnisse, die sich auf das Frühmittelalter, die Transformation der Römischen Welt, den Zerfall von Imperien sowie die Geschichte Ost- und Mitteleuropas und der eurasischen Steppenvölker konzentrieren, international zu vermitteln. 

Sein wissenschaftliches Hauptwerk ist das 1988 veröffentlichte Buch über die Awaren; ein Steppenvolk, welches das frühmittelalterliche Ostmitteleuropa prägte. Dieses Werk, das als Pionierleistung gefeiert wurde, wurde mehrfach aufgelegt und 2018 in einer erweiterten englischen Fassung publiziert. Pohl forscht zudem zur Ethnizität, Migration und Identitätsbildung im historischen Kontext. Seinen interdisziplinären Zugang zeigte die Leitung großer Forschungsprojekte, wie des vom Europäischen Forschungsrat geförderten HistoGenes-Projektes (mit Archäologie und Archäogenetik) und des Spezialforschungsbereichs ‘Visions of Community’ (mit Anthropologie und Asienforschung). Seine Studie „Werkstätte der Erinnerung“ über Montecassino untersuchte den Gebrauch der Vergangenheit in mittelalterlichen Handschriften. Ebenso beschäftigt er sich mit Nutzen und Missbrauch des Mittelalters bei der Gestaltung der Gegenwart. 

Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine tiefgründige Methodik und ein breites thematisches Spektrum aus, das die internationale historische Forschung nachhaltig beeinflusst. Mit seinen Arbeiten hat er eine neue Betrachtungsweise des Übergangs vom Römischen Reich zur frühmittelalterlichen Welt etabliert und nach der Entstehung von „Völkern“ im Zusammenhang mit sozialen und ethnischen Identitäten gefragt, wodurch er einen neuen Blick auf die globale Zivilisationsgeschichte bietet.

Von 1998 bis 2021 leitete er das Institut für Mittelalterforschung (IMAFO) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und hat maßgeblich an dessen Aufbau und Erfolg mitgewirkt. Seine Forschungsleistung und Führungsqualität wurden 2004 mit der Verleihung des Wittgenstein-Preises gewürdigt.